Leben mit Behinderung Hamburg

Servicemenu

Suche

Meine Spende

Werdenfelser Weg - Pflege ohne Zwang

Mit einen neuen Projekt soll nun auch in Hamburg ein Beitrag dazu geleistet werden, freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege zurückzudrängen.
Der Werdenfelser Weg wurde 2007 in Garmisch Partenkirchen im Werdenfelser Land initiiert und findet bundesweiten Zuspruch und Umsetzung.
Die überörtliche Betreuungsbehörde Hamburg der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz
hat sich zum Ziel gesetzt den Werdenfelser Weg als Instrument zur weiteren Verbesserung der Lebenssituation von alten Menschen  in Pflegeheimen einzusetzen.
Mit diesem Instrument wird die weitestgehende Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen (Bettgitter, Gurte etc.) angestrebt. Die Beteiligung von Verfahrenspflegern, mit pflegerischen Fachkenntnissen, soll dem gerichtlichen Genehmigungsverfahren nach § 1906,4 BGB eine neue Ausrichtung geben.

Das Konzept des Werdenfelser Weges beinhaltet  eine Fortbildung für Verfahrenspfleger, die pflegefachliche Kenntnisse über Strategien zur Vermeidung von Fixierungen und Kenntnisse im Betreuungs – und Verfahrensrecht erhalten sollen. Die so geschulten Verfahrenspfleger bringen ihr Fachwissen zur Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen in das gerichtliche Verfahren ein. Sie stellen gemeinsam mit Angehörigen und Pflegenden Überlegungen für alternative Maßnahmen an und erproben deren Umsetzung.

Das zweijährige Projekt wird vom Betreuungsverein für behinderte Menschen von Leben mit Hamburg durchgeführt. Das Projekt startet mit der Werbung und Schulung geeigneter Verfahrenspfleger. Im Focus für die Fortbildung stehen ( kritische ) Pflegekräfte, die aufgrund ihrer
Ausbildung eine gute Basis für die Entwicklung von Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen haben und bei Angehörigen und Pflegekräften auf eine hohe Akzeptanz stoßen.

Die jeweils 2 tätigen Fortbildungseinheiten werden mit einem Zertifikat abgeschlossen und finden
Quartalsweise statt. Inhalte der Fortbildung sind rechtliche Grundlagen des Verfahrensrechts, des Haftungsrechts, des Betreuungsrechts mit dem Schwerpunkt freiheitsentziehende Maßnahmen, aktuelle Rechtssprechung, Handlungsabläufe für Verfahrenspfleger, pflegerische Grundlagen, Alternativen zu freiheitsentziehenden  Maßnahmen. Abgerundet werden die Inhalte durch Hospitationen in Betreuungsgerichten und Betreuungsstellen. Bereits tätige Verfahrenspfleger können den Bereich Pflege als eintätige Schulungen nutzen, ergänzt durch ein zweitätiges Praktikum in einem Pflegeheim. Fortlaufend werden die qualifizierten Verfahrenspfleger durch einen Erfahrungstausch begleitet.

Pflegeheime werden für die Beteiligung am Projekt geworben, sie können ihre Arbeit öffentlichkeitswirksam herausstellen, sie werden aktive Wegbegleiter für den Werdenfelser Weg. Das Fortbildungsangebot steht ihnen offen. Die Heime können sich um eine Zertifizierung bewerben, die zum Ausdruck bringt, dass Menschen mit Demenz und anderen Erkrankungen auch in diesen Lebensphasen ohne Zwang in ihrer Einrichtung leben können. Bewertungen für die Zertifizierung liegen in den Bereichen: Milieutherapie, Biografiearbeit, Sturzprophylaxe, Niedrigflurbetten, Fortbildungsangebote für Mitarbeiter. Die Bewertung der Heime erfolgt mit den Mitgliedern des Beirates, bestehend aus Vertretern der Landesarbeitsgemeinschaft
Betreuungsgesetz.

Um einer fachlich nicht geschulten Öffentlichkeit und insbesondere um Angehörigen, Alternativen zu Fixierungen etc. aufzuzeigen wird das Projekt öffentlich vorgestellt. Die wohlmeinende Fürsorge von Angehörigen Bedarf der Information über Alternativen, um alle Beteiligten in den Prozeß einzubinden. Durch drei Großveranstaltungen aber auch durch Informationsveranstaltungen in Einrichtungen wird die Öffentlichkeit über den Verlauf und den Inhalten des Projekts informiert.