Aktionskreis Bildung ist Teilhabe

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Papier schöpfen, Wolle bearbeiten oder Essen zubereiten: Wer bei Feinwerk beschäftigt ist, kann zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen auswählen - und zwar selbst. Denn hier werden die Beschäftigten nicht einer Aufgabe zugeteilt, sondern in die Suche nach einer passenden Tätigkeit einbezogen. Bis der richtige Arbeitsplatz gefunden ist, können laut Nadine Voß, Leiterin der Tagesstätte Ilse Wilms, auch mal mehrere Jahre vergehen. Doch es lohnt sich, schließlich kann so die Selbstbestimmtheit gefördert und eine den individuellen Möglichkeiten entsprechende Aufgabe gefunden werden.

Die Ideen, Konzepte und Haltungen, die hinter Feinwerk stehen, vertritt Leben mit Behinderung nicht allein. Im Gegenteil: in ganz Deutschland gibt es Personen und Einrichtungen, die sich für die selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung durch Bildungs- und Arbeitsangebote einsetzen. Als "Aktionskreis Bildung ist Teilhabe" arbeiten sie gemeinsam daran, verbindliche Strukturen und Kontextfaktoren als Grundvoraussetzung dafür zu entwickeln.

Denn obwohl durch das Bundesteilhabegesetz die Möglichkeiten, schwerst mehrfach behinderte Menschen an Angebote in Werkstätten heranzuführen, verbessert werden sollten, bleiben in der Realität Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf auch weiterhin von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ausgeschlossen.

"Es fehlt ein verlässliches Rahmenkonzept mit geregelten, arbeitsweltnahen Angeboten ", sagt Nadine Voß. Anstelle spontaner Ideen sollten beständige Arbeitsabläufe den Tagesablauf regeln. Die Tätigkeiten müssen gemeinsam mit den behinderten Menschen ausgewählt und vor allem wiederholt ausprobiert werden, ohne dass einer über den anderen bestimmt. Insgesamt soll eine möglichst hohe Selbstständigkeit angestrebt und die Abhängigkeit von den Pädagogen verringert werden.

Der Aktionskreis Bildung ist Teilhabe trifft sich mehrmals im Jahr. Derzeit sind bundesweit elf Träger daran beteiligt. Mit ihren Empfehlungen zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung von Angeboten zur Teillhabe am Arbeitsleben für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf soll eine möglichst große Öffentlichkeit erreicht werden.

Hier geht es zum Empfehlungspapier des Aktionskreises Bildung ist Teilhabe.