Pflegenotstand im Krankenhaus für Menschen mit Behinderung und Demenz

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Wenn die Not am größten ist, gibt es irgendwann keinen Superlativ mehr. In Krankenhäusern fehlt das Pflegepersonal und dieser schon an sich schlimme Umstand wirkt sich für Menschen mit besonderem Hilfebedarf noch weit dramatischer aus. Wir erleben es, wie Menschen an weiße Wände starren, sprachlos leiden, früher sterben. Grundbedarfe wie trinken, essen, Sauberkeit, werden nicht oder allenfalls unzureichend berücksichtigt, denn bei Menschen mit Behinderung benötigt das Personal behinderungsbezogene Kenntnisse und Zeit und an beidem fehlt es in den Krankenhäusern in Hamburg und in ganz Deutschland.

Die Konsequenz ist Verwahrlosung, wenn nicht Angehörige als Unterstützer vor Ort sind. Eltern verbringen tagtäglich unzählige Stunden im Krankenhaus mit der Pflege ihrer Kinder. Berufliche Verpflichtungen hinten anstellend geraten sie dabei an die Grenze der Erschöpfung und oft darüber hinaus. Ebenso geht es denjenigen, die ihre Eltern mit Demenz unterstützen. Sie wissen, ohne Ihre Unterstützung ginge es Ihren Angehörigen sehr schlecht.

Das Problem liegt im System. Krankenhäuser sind stationäre Einrichtungen. Hier ist die Pflege neben der medizinischen Versorgung mit zu leisten ist. Professionelle Dienste, die jemand für sich zu Hause in Anspruch nimmt, können für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes allenfalls privat finanziert weiter eingesetzt werden. Wer, wie viele Menschen im Alter und mit Behinderung, auf Sozialhilfe angewiesen ist, erhält in dieser Zeit keine Unterstützung seiner sonst in Anspruch genommenen pädagogischen Hilfen. Staatliche Leistungen für die Dienste der Eingliederungshilfe werden für die Zeit des stationären Aufenthaltes eingestellt.

Was tun wir im Elternverein, damit sich das ändert? Wir setzen uns mit unserem Bundesverband bvkm für eine bundesweite Gesetzesänderung ein, damit zukünftig die erforderliche Assistenz im Krankenhaus finanziert wird. Seit Jahren wird dies aus Kostengründen in der Gesundheitspolitik verhindert. Die Überlastung pflegender Angehöriger und die finanzielle Enge der Dienste in der Behinderungshilfe macht es dringend erforderlich, das Problem auch in dieser Legislaturperiode in Berlin vorzutragen. Wichtig ist, dass wir Eltern und Angehörige gemeinsam im Verein und mit unseren Netzwerken die Forderung verdeutlichen, dass dies keine Einzelfälle sind, sondern dass es um von vielen wahrgenommenes, grundsätzliches Problem geht, das die Politik angehen muss.

Daneben müssen wir auch in Hamburg die konkreten Missstände für unsere Angehörigen in Krankenhäusern aufzeigen. Es besteht ein Rechtsanspruch darauf, dass hier die erforderliche Hilfe und Pflege geleistet wird. Es gehört auf die Agenda der ärztlichen Leitungen und der Sozialdienste in den Hamburger Krankenhäusern, dass hier Menschen dehydrieren oder isoliert bewegungslos auf Unterstützung warten, die nicht kommt und davon Schaden nehmen.

Beteiligen Sie sich an unserer Selbsthilfe mit der Angehörigengruppe „Gute Besserung“. Der nächste Termin ist am Mittwoch, den 27. Juni 2018, 19.30 Uhr im Südring 36, 22303 Hamburg.

Bis dahin
Kerrin Stumpf