Besuch aus Berlin

Rubrik: Neuigkeiten

Entscheidungsträger aus dem Bundesministerium treffen Menschen mit hohem Assistenzbedarf

Vorsichtig nimmt Marc Nellen eine Karte aus handgeschöpftem Papier in die Hand. Gerade noch hat er gesehen, wie einer der Beschäftigten mit Hilfe einer Betreuerin ein Bild auf die Vorderseite geklebt und die Karte anschließend mit einem kleinen Holzklötzchen gefaltet und glattgestrichen hat. In einem anderen Raum greift Vanessa Ahuja spontan zur Kaffeemühle, deren Kurbel je nach Bedarf des Beschäftigten mit unterschiedlichen Aufsätzen genutzt werden kann. Nach ein paar Umdrehungen zieht sie die kleine Schublade heraus und kippt den gemahlenen Kaffee in eine rote Dose.

Vanessa Ahuja und Marc Nellen sind zum ersten Mal in der Tagesstätte Ilse Wilms und wollen bei ihrem Besuch genau das: Nah dran sein, den Alltag in der Tagesförderung miterleben und einen praktischen Einblick in Hamburger Eingliederungshilfe bekommen. Beide sind Mitarbeiter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: Vanessa Ahuja leitet dort die Abteilung, deren Aufgabe derzeit auch die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) ist. Daran arbeitet auch Referatsleiter Marc Nellen.

Im Anschluss an ein Fachgespräch im April, auf dem die Auswirkungen des BTHG für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf erläutert wurden, kam es zu einer Einladung von Leben mit Behinderung Hamburg, sich die Anforderungen der Tagesförderung und des Wohnens hier einmal in der Praxis anzusehen.

Während des Rundgangs durch die Tagesstätte Ilse Wilms lernen die Beiden gemeinsam mit Natalie Tauchert, Geschäftsführerin unseres Bundesverbandes bvkm, alle Arbeitsbereiche in Aktion kennen, informieren sich über die Bildungsangebote und erhalten mithilfe von Fotos einen Eindruck davon, was die Beschäftigten bei „Auf Achse“ erleben können. Besonders beeindrucken Marc Nellen die individuellen Lösungen, die auch Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf eine Teilhabe an den Arbeitsprozessen ermöglichen.

Nachmittags trifft Marc Nellen auf die Vertreter des Netzwerks Arbeit Hamburger Tagesförderung (NAHT). Im Südring mit dabei sind auch Isabella Czernetzki (Ev. Stiftung Alsterdorf), Ida Schonebeck (fördern und wohnen AöR) und Detlef Boie (Stiftung Rauhes Haus), um gemeinsam über die Kooperationsformen und die konzeptionelle Grundlage der Tagesförderung bei Hamburger Trägern zu informieren.

Währenddessen ist Vanessa Ahuja in der Hausgemeinschaft Max B. und den Wohngruppen Margaretenstraße. Dort habe ihr besonders das Miteinander und das Zusammenleben gefallen – und, dass jeder sich seinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln könne. „Mein Eindruck ist, dass Sie sehr individuelle Lösungen haben und konkret auf die Menschen eingehen. Das finde ich beeindruckend und besonders“, sagt sie nach ihrem Besuch. Sie sieht darin einen guten Weg: „Mein Gefühl ist, dass dies auch zu guten Lösungen führt.“

Auf die Frage, ob in den neuen Wohnformen der Zugang zu ambulanter Pflege gesichert bleibt, erklärt Vanessa Ahuja, dass der Gesetzgeber diesbezüglich keine Verschlechterungen beabsichtigt hat: „Das Bundesministerium wird diesen Aspekt sehr genau im Auge behalten.“

Das BMAS wird sich im Rahmen der Umsetzung des BTHG in Zukunft weiter mit den Auswirkungen für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf beschäftigen. Leben mit Behinderung Hamburg bietet Unterstützung mit guter Praxiserfahrung an und beteiligt sich weiter an den bundesweiten Diskussionsprozessen.