Bluttests dürfen keine Kassenleistung werden

Rubrik: Elternverein

Eltern und Geschwister von Jugendlichen und Erwachsenen mit komplexen Behinderungen trafen sich gestern zum ersten Ethikkreis von Leben mit Behinderung Hamburg und sprachen sich gemeinsam dagegen aus, nichtinvasive Pränataldiagnostik (NIPD) als Kassenleistung anzubieten. Die Frage wird heute Vormittag im Bundestag in einer Debatte beleuchtet.

Der Elternverein von Leben mit Behinderung Hamburg achtet und unterstützt die Mütter und Familien in ihren individuellen Entscheidungen und auf ihrem Weg. Zugleich ist für uns klar: Würde der Test eine Regelleistung wie ein bloßer pH-Test zu Beginn einer Schwangerschaft, wird es kaum noch geeignete Beratung und Raum für eigene Überlegungen der Mütter geben. Die Gemeinschaft der Versicherten, zu der auch wir Eltern und Geschwister und Menschen mit Behinderungen selbst gehören, darf keine Selektion von Menschen mit Behinderung fördern. Zudem vermittelt die Debatte eine falsche Sicherheit, denn schwere Behinderungen entstehen zu 96 % nach einer Geburt und aus nicht genetisch begründeten Ursachen.

„Ich möchte meinen Sohn nicht missen. Wer bin ich, mich gegen ihn zu entscheiden? Er führt auch mit Behinderung ein vollständiges Leben und ich bin so froh, dass es ihn gibt,“ so eine Mutter im Gespräch und mit ähnlichen Worten sagen es am Abend noch viele. Einig sind sich die Beteiligten an diesem Abend in einem weiteren Punkt: „Eltern müssen im Rahmen von Pränataldiagnostik gut beraten werden und eine echte Entscheidungsfreiheit haben. Mit einer Zulassung des NIPD als Kassenleistung wäre das nicht mehr der Fall, so Kerrin Stumpf, Geschäftsführerin von Leben mit Behinderung Hamburg, „Vielfalt ist eine Chance, zu der wir als Gesellschaft weiter „Ja“ sagen müssen.“