Corona und Teilhabe: (wie) ist das möglich?

Rubrik: Neuigkeiten

Bereits die Ankündigung der Veranstaltung sorgte für einen regen Austausch auf unserer Facebook-Seite, bei der unterschiedliche Erfahrungen mit der aktuellen Situation geschildert wurden. Entsprechend groß war dann auch die Teilnehmerzahl, die am Mittwochabend beim Teilhabesalon per Zoom dabei war: Bis zu 86 Geräte hatten sich zur digitalen Veranstaltung dazugeschaltet.

Elternvereins-Geschäftsführerin Kerrin Stumpf moderierte die Diskussionsrunde mit Gästen wie Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard, Hanne Stiefvater als Vorstandsmitglied der Stiftung Alsterdorf und Ottmar Miles-Paul vom Netzwerk Artikel 3, sowie Stephan Peiffer, Geschäftsführer der Leben mit Behinderung Hamburg Sozialeinrichtungen gGmbH.

Thematisch ging es einmal quer durch das Corona-Gebiet. Melanie Leonhard bemängelte das Fehlen einer gesamtpolitischen Debatte über die Situation von Menschen mit Behinderungen während der Pandemie und der Frage, welche Folgen die Isolation für sie hat: „Eine große Gruppe von Menschen in unserer Stadt wird ihrer Beteiligungsmöglichkeiten beraubt und es wird nicht mal öffentlich darüber gestritten.“ Hanne Stiefvater betonte, dass es zum Teil auch schwer sei, die Notwendigkeit der Maßnahmen zu begründen, da die Gefahr eines nicht sichtbaren Virus‘ nur schwer zu vermitteln sei. Stephan Peiffer richtete den Blick auf das Mitspracherecht der Betroffenen. Man müsse den Menschen nicht nur zutrauen, die Situation auch selbst einzuschätzen und bewerten zu können, sondern vor allem die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.

Ein weiterer Aspekt der Debatte waren auch die Corona-Tests. Neben Fragen nach der Zuverlässigkeit der Tests und dem Umgang mit den Ergebnissen ging es auch um die Entwicklung neuer Tests wie Bluttests oder Tests zum Gurgeln, und dem Arbeiten an der Möglichkeit, Tests nicht ausschließlich von examiniertem Pflegepersonal korrekt durchführen lassen zu können.

Neben Problemen der Teilhabe in Corona-Zeiten ging es aber auch um das bereits vor einigen Wochen auf unserer Website aufgegriffene und auf der Facebook-Seite diskutierte Thema der fehlenden Leistungsbescheide. Melanie Leonhard führte diesen, wie sie selbst sagte, Zustand, der nicht sein dürfe, auf einen großen Schwund des Fachamts-Personals zurück. Fast die Hälfte der Beschäftigten hätten das Amt innerhalb kurzer Zeit aus unterschiedlichen Gründen verlassen. Inzwischen sei eine Task Force mit fast 30 zusätzlichen Mitarbeitenden aus der Sozialbehörde sowie anderen Behörden eingerichtet worden, die ausschließlich dabei helfen sollen, Anträge zu bearbeiten und Bescheide zu erstellen. Um Situationen wie diese künftig gar nicht erst aufkommen zu lassen, schlug Ottmar Miles-Paul vor, die Bescheide nicht befristet für ein Jahr, sondern unbefristet auszustellen, so dass sich Menschen mit Behinderung nur dann melden müssten, wenn sich beim Bedarf etwas ändere.

Abgesehen von den vielen negativen Auswirkungen der Pandemie konnte Ottmar Miles-Paul immerhin einen positiven Aspekt feststellen: Die Verbesserung der Kommunikation sowie die Öffnung für digitale Medien. „Wir haben in diesem Jahr alle an Medienkompetenz gewonnen“, sagte er. Im Vorjahr hätte eine Veranstaltung wie diese sicherlich nicht so selbstverständlich online stattgefunden wie jetzt. Und Hanne Stiefvater betonte, dass digitale Teilhabe auch vieles erleichtere, da zum Beispiel hinter der Teilnahme an digitalen Veranstaltungen ein deutlich geringerer Organisationsaufwand stecke. Nun ist es wichtig, die neu erworbenen Kompetenzen langfristig beizubehalten und mitzunehmen.