Jahresrückblick der Geschäftsführung

Rubrik: Neuigkeiten

Das Jahr 2020 war durch die Corona-Pandemie ein besonderes Jahr. Wie haben Sie und Ihre Mitarbeitenden es im Elternverein und in den Sozialeinrichtungen erlebt?

Stephan Peiffer: 2020 hat etwas gezeigt, was wir nicht wussten: Leben mit Behinderung Hamburg kann Krise. Der Sorge um die eigene Gesundheit und um die Lebensbedingungen der Klient*innen sind die Mitarbeitenden mit beeindruckendem  Verantwortungsbewusstsein, mit wachsender Professionalität und großer Solidarität begegnet. In kurzer Zeit haben wir gelernt, Ansteckungsgefahren zu vermeiden und die Assistenz in der Wohnung zu leisten, eben dort, wo sie gebraucht wurde. Mit diesem festen Zusammenhalt konnten wir uns darauf konzentrieren, immer wieder zu erklären, welche Schutzmaßnahmen notwendig sind und welche Möglichkeiten der Teilhabe bestehen. Unsere Lobbyarbeit hat dazu beigetragen, dass Bund und Länder die Priorität für Schutzausrüstung oder für die Impfung für Menschen mit Behinderung und ihre Assistent*innen anerkennen.

Kerrin Stumpf: Die Belastungen waren riesig, für uns, aber besonders für die Menschen, für die wir uns einsetzen. Also waren wir da und gewannen sogar noch neue Mitarbeitende, um Verpflichtungen gegenüber der Stadt zu erfüllen. Wir haben die Verantwortung gespürt für so viele Menschen in so einer Krise. Die einen hatten große Schutzbedürfnisse, die anderen wollten raus und forderten Freiheit. Wie geht Selbstbestimmung und Teilhabe in einer Pandemie? Dass wir das nach vorn gestellt und öffentlich diskutiert haben, war, glaube ich, ganz wichtig. Damit haben wir nicht nur auf die Sorgen der Menschen reagiert. Es war auch echte Lobby-Arbeit für unsere Zielgruppe, die die Politik wahrnahm. Mit Erfolg.

Gab es neben den vielen Einschränkungen auch positive Entwicklungen?

Kerrin Stumpf: Menschen waren mehr allein und hatten Angst, um sich und um liebste Menschen. Das war für mich echt schlimm, aber am Schönsten waren auch die Kontakte, der Mut der Kollegen und Kolleginnen. Meine Bilder des Jahres: Schulsenator Ties Rabe und eine Mutter im Elterngesprächskreis Inklusion/Integration direkt Bild an Bild per Zoom in einer Diskussion und ein Mann im Teilhabesalon ohne Bild, aber sich sehr beharrlich über fehlende Bescheide und Zahlungen beschwerend, durch die das Geld für seine Assistenten fehlt, und direkt neben ihm Senatorin Melanie Leonhard mit der Zusage einer Lösung. Selbsthilfe pur.

Stephan Peiffer: In den Wohngruppen, in den dann wieder geöffneten Tagesstätten und in den Horten sind die Menschen zusammengerückt. Viele haben den Wert der nahen Umgebung neu schätzen gelernt. Und jenseits der Corona-Situation haben wir viel geschafft. Wir haben die Schubkraft unserer Belegschaft genutzt und einen einheitlichen Tarifvertrag für Leben mit Behinderung Hamburg erreicht. Die Sozialbehörde hat dies durch ihr Entgegenkommen möglich gemacht. Unsere fachliche Arbeit, Klient*innen als handelnde Personen zu begreifen, die auf der Grundlage guter Information und Anregung ihre eigenen Entscheidungen treffen, hat seit dem Sommer wieder volle Fahrt aufgenommen. Highlight war die große Online-Party zur Wahl der Interessenvertretungen für unsere Einrichtungen und Dienste.

Welche Wünsche haben Sie für 2021?

Kerrin Stumpf: Ich hoffe, dass wir endlich wieder zusammen feiern und sichtbar werden im Jahr der Bundestagswahl. Mein Wunsch ist, dass wir die Solidarität fortsetzen, die wir jetzt gerade miteinander üben. Die Besonnenheit und Geduld der Mitglieder sowie Kollegen und Kolleginnen, die ich erlebt habe, ist eine Kraft, die mir Vorfreude macht auf das kommende Jahr.

Stephan Peiffer: Mit großer Zuversicht schaue ich in das kommende Jahr. Stabile wirtschaftliche Bedingungen, ein gutes Betriebsklima und ein stabiles Gesundheitsmanagement schafft den Raum, sich auf unser wichtigstes Feld, die fachliche Weiterentwicklung, die Güte unserer Assistenz zu konzentrieren. Der Generationswechsel in der Führung der Sozialeinrichtungen kann kommen.