Corona hochaktuell

Rubrik: Thema

Während der Wettlauf um die Impftermine begonnen hat (und mein Beratungstelefon für Mitglieder kaum mehr stillsteht), sind jetzt gerade viele Menschen bei Leben mit Behinderung Hamburg Sozialeinrichtungen von Quarantäne und auch Infektionen mit Covid-19 betroffen. Während ich schreibe, werden in elf Standorten Not- und Zusatzassistenz organisiert, damit die Bedarfe gedeckt werden unter größtmöglicher Vermeidung einer weiteren Verbreitung des Virus.

Wie verhindern wir Isolation?

Die Angehörigen sind angespannt, das höre ich am Telefon und in Veranstaltungen. Ohne den persönlichen Kontakt wächst die Sorge um die Menschen, die wir lieben. Da gibt es jetzt rasierte Frisuren in einigen WGs, weil die Haare so nerven, zum Unmut mancher Mutter, die das per Skype mitansehen muss. Vielleicht ist das eher lustig. Wenn aber das Gesundheitsamt zwei Wochen Quarantäne anordnet (so nach der Schließung der Tagesstätte Ilse-Wilms), bedeutet das endlose Tage, Leben ohne Kontakt, ständig im eigenen Zimmer. Das ist schrecklich für Menschen mit hohem Assistenzbedarf und eine gruselige Vorstellung für Familien und Freunde.

Die es erträglich machen

Der dadurch jetzt erhöhte Personalbedarf in den WGs ist erheblich. Um der Not zu begegnen, haben die Sozialeinrichtungen ein Team von Mitarbeitenden zusammengestellt, die ihre üblichen Tätigkeiten liegen lassen, um Assistenz für Corona-Betroffene mit Schutzanzug und Maske zu machen. Sie machen sich täglich auf den Weg und stellen gemeinsam mit dem Team vor Ort und Kräften aus der Zeitarbeit sicher, dass keine Karzer-Zeit entsteht.

...und sogar schön

Eine Kollegin, die in den letzten Wochen als Assistentin für einen Mann mit Covid-19 eingesprungen war, erzählte von der WG, den Gewohnheiten, wie schnell sie alles lernen musste, damit es möglichst wenig nervte. „Da gab es so viel zu beachten. Lauter Details, was er wie sagt und will. Den Waschlappen am Morgen richtig kalt. Trinkwasser lieber lauwarm. Nicht so laut die Türen klappern.“ Sie hatte den Ehrgeiz im Blick und den Spaß, es richtig gut machen zu wollen und ich dachte: Wenn Leben mit Behinderung Hamburg in Corona-Zeiten so ist, dann gibt es – immer – ein Licht am Ende des Tunnels.

Ich bedanke mich sehr für all die Geduld, den Einsatz und die Unterstützung.

Kerrin Stumpf