Ethikkreis setzt eine Initiative in Gang

Rubrik: Elternverein

Am Donnerstag traf sich der Ethikkreis per Zoom. Ausgangspunkt im Kreis waren die vorgeburtlichen Bluttests und ihre Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen, die nun zeitnah Gesetz werden soll. Der Verein ist Mitunterzeichner eines offenen Briefes, der betont, wie sehr die Beratung für die Frauen in der konkreten Situation der Schwangerschaft eine unabhängige, offene und breite Entscheidungsgrundlage bieten muss und kritisiert, dass die vom Gesetzgeber zugesagte gesellschaftliche Debatte, mit der nachhaltig auf ein Bild vom „Anders-Sein“ Einfluss genommen werden soll, nicht weiterverfolgt wurde.

Leben mit Behinderung Hamburg ermutigt

Wenn Eltern sich austauschen, erhalten große Themen Gesichter. Eine Mutter berichtete von ihrem jungerwachsenen Sohn, der umgezogen ist, neues Personal, neue Wege, und wie aufregend das sei, für sie noch mehr als für ihren Sohn. Ein Vater meinte, es laufe in der Grundschule richtig gut, das freue ihn richtig. Ein anderer Vater erzählte, sein Sohn lebe seit 30 Jahren in seiner Wohngruppe und wie sehr er, vielleicht noch mehr als sein Sohn, in der Corona-Zeit die gemeinsamen Kontakte vermisse. Was sich werdende Eltern vielleicht kaum vorstellen können, ist im Ethikkreis spürbar. Eltern-sein ist intensiv, anstrengend und bereichernd. Auch wenn es anders ist.

Inzwischen sind Ärzteschaft, Wirtschaft, Schulen, öffentliche Stellen mit der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen zu Inklusion verpflichtet. Dazu fehlt noch so viel. Ob bei Anträgen, Zugängen oder auch im privaten Kontakt, Behinderung bedeutet Grenzerfahrung und ist nichts, wofür man sich „entscheidet“. Bis zu einem gemeinsamen Verständnis und Abbau von Barrieren, ist es noch ein weiter Weg.

Die Kraft des persönlichen Gesprächs

Mich erreichen viele unterschiedliche Anfragen, über das Leben mit Behinderung zu berichten. Von Arbeitsgruppen, aus der Verwaltung, der Ärztekammer, Hamburger Schulen und vielen anderen. Das greift der Ethikkreis auf. Der Elternverein kann das, was er immer schon macht, durch Gesprächsangebote ermutigen und Eltern stärken, mit modernen Mitteln erweitern. Wir schaffen ein Konzept und alle können mitmachen. Menschen mit Behinderung, Angehörige sowie Freundinnen und Freunden. Das Ziel ist die größere Sichtbarkeit, ein Beitrag zur Veränderung von Haltungen und damit eine Ermutigung für (werdende) Eltern. Das wird sicher kein Spurt, eher ein Marathon, aber wir machen uns auf den Weg.

Wir werden uns jetzt in der Geschäftsstelle dazu weiter schlau machen, eine erste Konzeptidee aufschreiben, um es im nächsten Ethikkreis weiter zu diskutieren. Wer Lust hat daran mitzuarbeiten, ist herzlich eingeladen, sich am 1. April 2021 per Zoom mit einzuschalten.

Kerrin Stumpf