Mission Inklusion

Rubrik: Neuigkeiten

Es war wieder ordentlich was los am 5. Mai in Hamburg. Denn weil wegen Corona nicht auf der Straße demonstriert wurde, hat das „Bündnis 5. Mai“ zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung gleich mehrere andere Aktionen organisiert.

Getreu dem Motto „Sichtbar sein für eine Stadt für alle“ wurde rund 160 Banner an Außenfassaden unserer Wohngruppen und Bündnispartner aufgehängt. Neben dem Slogan „Mission Inklusion“ wurden sie von den Einrichtungen noch bemalt, mit Forderungen beschriftet oder anderweitig individualisiert. Ein großer Spaß für alle Beteiligten und natürlich eine wichtige Botschaft für alle, die Banner sehen konnten.

Weiter ging der Protest im Internet: Neben einem Protestclip, der mit Ralph Grevel (Geschäftsführer der Sozialeinrichtungen von Leben mit Behinderung Hamburg), Kerrin Stumpf (Geschäftsführerin des Elternvereins von Leben mit Behinderung Hamburg) sowie Interessenvertreter*innen und Bündnispartner*innen im Millerntorstadion des FC St. Pauli gedreht wurde, gibt es einen Film, in dem ausschließlich Menschen mit Behinderung zu Wort kommen und ihre Forderungen an die Politik richten.

Beide Filme wurden auch abends im Rahmen der digitalen Podiumsdiskussion zum Thema „Teilhabe“ gezeigt. Kerrin Stumpf moderierte die Veranstaltung, an der rund 70 Interessierte teilnahmen. Auf dem digitalen Podium mit dabei waren Petra Lotzkat (Staatsrätin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration), Doris Haake (People First), Heiko Kunert (Vorstandsmitglied LAG) und Jurand Daszkowski (LAG und Landeverband Psychiatrie-Erfahrener Hamburg).

Jede*r der Teilnehmer*innen konnte unterschiedliche Impulse geben. So griff Petra Lotzkat einen Kommentar des Films auf und bestätigte, dass auf dem Arbeitsmarkt noch viel im Hinblick auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung getan werden müsse. Heiko Kunert thematisierte die unterschiedlichen Problematiken der Corona-Situation, so sei es für Blinde beispielsweise kaum möglich, den Mindestabstand einzuhalten und für Gehörlose schwindet durch den Mund-Nasen-Schutz die Möglichkeit, von den Lippen abzulesen. Auch betonte er, dass Barrierefreiheit eigentlich ein Querschnittsthema für die gesamte Politik sei, da dies jeden Bereich betreffe. Doris Haake griff das Thema Leichte Sprache auf und forderte, dass diese vermehrt zum Einsatz kommen müsse, wie zum Beispiel in Behördenschreiben oder am Arbeitsplatz. Und Jurand Daszkowski stellte fest, dass Menschen selbst nicht behindert seien, vielmehr würden sie von der Gesellschaft behindert gemacht. Ebenso wies er darauf hin, dass gerade Menschen die aufgrund von psychischen Erkrankungen ohnehin sehr isoliert leben, es unter Corona besonders schwer haben.

Auch die Teilnehmer*innen zu Hause beteiligten sich rege: Über die Chat-Funktion konnten sie ihre Forderungen stellen. Diese zielten auf alle Bereiche des privaten und gesellschaftlichen Lebens: Mehr Barrierefreiheit im Sport, Führungen in Kunsthallen in Leichter Sprache, weniger Diskriminierung, kein Angestarrt-werden, nicht auf die Behinderung sondern auf die Person gucken, etc. Es wurde bereits viel erreicht, dennoch liegt noch ein weiter Weg vor uns.

Eine wichtige Forderung ging in die Richtung der Gleichberechtigung von Angestellten und Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Auch Einkommen für Menschen mit Behinderung und damit ein Ausweg aus der Grundsicherung. Denn zur Gleichstellung gehört auch das Recht auf ein eigenes Einkommen, wie es andere auch verdienen.

Und was nun mit den Forderungen und O-Tönen aus den Filmen? Diese an die Politik in Hamburg gestellten Forderungen soll(t)en in den Landesaktionsplan Eingang finden.