Kinder haben Rechte

Rubrik: Bildung

Im Frühjahr 2021 berichtete wir von unserem Brandbrief gemeinsam mit kids e.V. und ASBH e.V. Die Schulbehörde hatte uns zugesagt, auch bei Schülerinnen und Schülern, die zieldifferent unterrichtet werden, die Möglichkeit der Lernzeitverlängerung zu prüfen. Zieldifferent bedeutete, dass Kinder nach einem Förderplan beschult werden, der sich nicht an dem allgemeinen Klassenziel orientiert. Aufgrund der besonderen Corona-Situation hatte die Schulbehörde in Aussicht gestellt, dass auch diese Kinder die Klasse wiederholen können, wenn dies ihr individuelles Lernen fördert.

Diese Zusage wurde nicht eingelöst. So berichten zahlreiche Eltern im Elterngesprächskreis Inklusion/Integration am letzten Mittwoch, dass ihre Anträge auf die Lernzeitverlängerung ihrer Kinder durchweg abgelehnt wurden. Als Begründung wurde allein die allgemeine Regel zur Lernzeitverlängerung benannt. Sie sieht grundsätzlich vor, dass bei der beschriebenen Zieldifferenz die Schulzeit nicht verlängert wird.

Wir halten diese Regel für einen Verstoß gegen Art. 24 UN-Behindertenrechtskonvention. Hiergegen werden wir weiter vorgehen. Dass aber für Kinder mit Behinderungen, die nachweislich besonders unter der Corona-Krise zu leiden hatten, trotz der beschriebenen Zusage keine Prüfung stattfindet und keine Lernzeitverlängerung – wie bei Kindern ohne Behinderungen – beschieden wird, ist ein Skandal. Wir haben den Eltern geraten, jeweils rechtlich gegen die Entscheidungen vorzugehen und werden sie weiter darin unterstützen.

Die grundsätzliche Frage nach der Lernzeit von Kindern mit Einschränkungen in Hamburgs Schulen wird sicher auch beim nächsten Elterngesprächskreis Inklusion/Integration am 4. November 2021 ein Thema sein, an dem auch die Verantwortlichen in der Schulbehörde teilnehmen werden.

Kerrin Stumpf