Rahmenbedingungen für Integrativen Unterricht fehlen

    Anmelderunde 2011: Eltern behinderter Kinder fordern Klarheit

    Die Auflösung der Bürgerschaft und der jetzt einsetzende Wahlkampf setzen Eltern behinderter Kinder unter Druck. Die "Anmelderunde" für das Schuljahr 2011/2012 im Januar bzw. Februar steht kurz bevor. Doch für Eltern, die ihr Kind entsprechend des Rechtsanspruchs auf gemeinsames Lernen in einer integrativen Klasse anmelden wollen, fehlen wichtige Rahmenbedingungen: Wesentliche organisatorische Voraussetzungen und vor allem die bereits für den Herbst zugesagte Rechtsverordnung zur Umsetzung des §12 fehlen.

    Am 17. Oktober 2010 hatte die behördeninterne Lenkungsgruppe wichtige Eckpunkte zur Gestaltung der Integration im neuen Schuljahr vorgelegt. Für die Versorgung mit Lehrerstunden, den Zugang zur Therapie für die behinderten Kinder, die Bereitstellung der Schulbegleiter und die Schaffung von Bildungszentren mit einem übergeordneten Auftrag für den Integrativen Unterricht, gab es konkrete Planungen. Provisorische Lösungen, die im laufenden Schuljahr zum ersten Mal an 77 neuen Integrationsstandorten gemeinsames Lernen für rund 700 behinderte Kinder ermöglicht hatten, sollten ersetzt werden. „Die Eltern ertrugen im laufenden Schuljahr viele Unklarheiten, Unfertiges und teils auch Belastendes mit Geduld“, sagt Martin Eckert, Geschäftsführer von Leben mit Behinderung Hamburg. „Die Eltern hatten Verständnis dafür, dass manches schwierig ist, weil die Ausführungsregeln für das Schulgesetz noch nicht fertig waren.“

    Mitte November zeichnete sich jedoch ab, dass die zunehmenden Spannungen in der Koalition auch die notwendigen Entscheidungen der Schulbehörde zum gemeinsamen Unterricht verzögerten. Leben mit Behinderung Hamburg forderte deshalb am 22. November 2010 die Mitglieder des Schulausschusses und die damalige Behördenleitung auf, für die besonders drängenden Fragen zu Therapie, Förderung und Schulbegleitung endlich, Antworten vorzulegen. „Jetzt müssen wir befürchten, dass nun erst einmal Wahlkampf gemacht wird und dann im Frühjahr - von wem auch immer - wieder Entscheidungen getroffen werden“, so Eckert weiter. „Doch im Frühjahr ist es zu spät für die Eltern behinderter Kinder, die von ihrem Rechtsanspruch auf Integrativen Unterricht Gebrauch machen wollen. Wir fordern deshalb die Schulbehörde und die Schulpolitiker aller Parteien dazu auf, noch im Dezember klare Voraussetzungen für die Umsetzung des Rechtsanspruches auf Integrativen Unterricht an den Hamburger Schulen zu schaffen.“