Deutschlandweit erste Studie zur Ambulantisierung veröffentlicht

    Über 90 Prozent der Klienten sind mit der neuen Wohnform zufrieden

    Das 2006 initiierte Ambulantisierungs-Programm des Hamburger Senats sah die Umwandlung von 800 stationär betreuten Wohnplätzen in der Behindertenhilfe in ambulant betreute Wohnplätze vor. Leben mit Behinderung Hamburg ermöglichte seit 2006, dass mehr als 100 Personen in eine ambulante Form der Unterstützung wechseln konnten. Dieser Prozess wurde durch eine Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften begleitet. Der Abschlussbericht liegt jetzt vor. Deutschlandweit ist diese Untersuchung die erste zur Ambulantisierung der Wohnplätze von Menschen mit Behinderung.

    Endlich in der eigenen Wohnung leben: Für junge Menschen bedeutet der Auszug aus dem Elternhaus einen wichtigen Schritt in die Unabhängigkeit. Doch für viele Menschen, insbesondere mit schweren oder mehrfachen Behinderungen, hieß es lange Zeit:  raus aus dem Elternhaus, rein in die stationäre Wohngruppe. Mit der Ambulantisierung erhalten behinderte Menschen, egal ob jung oder alt, ein höheres Maß an Selbstbestimmung. Doch wie erleben sie, ihre Angehörigen und die professionellen Betreuer diesen Schritt in die Selbstständigkeit? In der von Leben mit Behinderung Hamburg in Auftrag gegebenen Studie zur Ambulantisierung wurden über vier Jahre 40 Klienten über ihre Lebenssituation und die Zufriedenheit befragt. Die erste Befragung fand vor der Veränderung der Wohnform statt, weitere Befragungen jeweils 6 Monate danach sowie 1 Jahr und drei Jahre danach.


    „Die Studie bescheinigt uns, dass der Veränderungsprozess in den allermeisten Fällen gut und unproblematisch verlaufen ist“, fasst Michael vor der Horst, Bereichsleiter bei Leben mit Behinderung Hamburg, das Ergebnis der Studie zusammen. „Über 90 Prozent der Befragten äußerten sich zu ihrer jetzigen Situation als zufrieden oder sehr zufrieden. Lediglich ein Klient entschied sich für die Rückkehr in die stationäre Versorgung und wohnt heute wieder in einer unserer stationären Wohngruppen.“
     
    Folgende Kernpunkte wurden mit Hilfe der Studie zur Ambulantisierung ermittelt:

    • Die allermeisten Klienten leben sehr selbstbestimmt und können trotz Abhängigkeit von Assistenz in hohem Maß selbst entscheiden.
    • Die Befragten sind in vielen Bereichen selbständiger geworden.
    • Die Klienten haben viel Anregung in ihrer Freizeit und erleben weniger Langeweile als vorher.
    • 92 Prozent der Klienten erleben ihre neue Wohn- und Betreuungssituation als sicher und zufriedenstellend.
    • Kritisch verweist die Studie darauf, dass es für Menschen mit hohem Hilfebedarf schwieriger ist, Zugang zu den neuen ambulanten Wohnformen zu erhalten.


    Die Studie wurde durch Mittel der Conterganstiftung für behinderte Menschen ermöglicht.


    Die Ambulantisierung führte bei den Trägern der Behindertenhilfe zu einem Strukturwandel. Leben mit Behinderung Hamburg reagierte darauf mit dem Bau von Hausgemeinschaften. Hier leben Menschen sowohl mit ambulanter als auch in stationärer Unterstützung in einem Haus gemeinschaftlich zusammen. In allen Hausgemeinschaften überwiegen die Einzel-Apartments. Seit 2006 sind drei Hausgemeinschaften, Max B im Schanzenviertel (2006), Am Eisenwerk (2009) und Selbst + Sicher (Bezug Juli 2011) in Barmbek, eröffnet worden. Außerdem wurden bestehende Wohnhäuser in Hausgemeinschaften umgewandelt, wie zum Beispiel das Hildegard-Schürer-Haus in Winterhude. Weitere Hausgemeinschaften sind in Planung.

    Die Studie zum Download.