Beratung durch Menschen mit Behinderung besser ausstatten

    Verwaltungsaufwand der Ergänzenden unabhängigen Teilhaberatung in der Kritik

    Beraterinnen und Berater der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) kritisierten den hohen Verwaltungsaufwand und enge finanzielle Spielräume, die Ausstattung, Leitung und Verwaltung nicht umfassen. Insbesondere Organisationen mit wenig Personal und viel ehrenamtlichem Engagement haben hier Probleme. 

    Am vergangenen Wochenende trafen sich in Berlin Beraterinnen und Berater der EUTB zur Fachtagung ‚Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung – Eine für Alle‘. Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzierte EUTB ist ein ergänzendes Angebot, unabhängig von Behörden und Dienstleistungen sozialer Träger, das von Betroffenen durchgeführt wird. Kritik wurde auf dem Fachtag an der Ausstattung der Beratungsstellen geübt. So auch in Hamburg: „Der Verwaltungsaufwand für die EUTB ist so hoch, dass wir aufpassen müssen, dass wir für unsere eigentliche Aufgabe, die Selbsthilfe der Menschen mit Behinderung in der Stadt stark zu stellen, noch genug Kraft und Zeit haben“, beanstandet Kerrin Stumpf, Geschäftsführerin Leben mit Behinderung Hamburg Elternverein e.V. „Wir erwarten von der Stadt Hamburg, dass sie die Selbsthilfe der Menschen mit Behinderung bei der Durchführung der EUTB unterstützt.“

    In Hamburg starteten Anfang 2018 zehn Vereine gemeinsam als Netzwerk EUTB Hamburg. Ratsuchende erreichen die Beraterinnen und Berater über das Internet, persönlich oder telefonisch. „Wir wollen innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit sicherstellen, dass die Beratung die Menschen erreicht und sich ihre gesellschaftliche Teilhabe für sie spürbar verbessert“, sagt Kerrin Stumpf, die sich auch im Vorstand der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen (LAG) engagiert. „Mit der LAG und Autonom Leben als Partner im Netzwerk EUTB wollen wir als Angehörigenverein die Unabhängigkeit der Beratung zielgruppenübergreifend für Menschen mit psychischen Erkrankungen, körperlichen Einschränkungen, Lernschwierigkeiten und komplexen Behinderungen besonders stärken.“

    Information, Selbstvertretung und Bedarfsermittlung für Menschen mit Behinderung sind nach dem neuen Bundesteilhabegesetz der Schlüssel zu Teilhabe und Rehabilitation. In seiner Umsetzung entstehen seit Anfang des Jahres bundesweit, gefördert von dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Teilhabe-Beratungsangebote, die bestehende Beratung ergänzen und von Angeboten der sozialen Arbeit, den Behörden und Dienstleistungen unabhängig sein sollen.

    Durch sie sollen die Menschen als Verhandlungspartner gegenüber Kostenträgern und Assistenzanbietern gestärkt werden, um die für sie richtigen und wichtigen Leistungen zu erhalten. Die beratenden Personen müssen die Rechte und regionalen Möglichkeiten der Menschen kennen und sollen zielgruppenübergreifend offen und erreichbar sein.

    Peer-Beratung, also die Unterstützung von Betroffenen für Betroffene, soll ein Element dieses neu im Sozialgesetzbuch IX verankerten Instrumentes sein.