Thema
Eine Schule für unsere Kinder

25.04.2017

Als Mitgliedsorganisation vertritt der Elternverein von Leben mit Behinderung Hamburg die Interessen von über 1.500 Familien mit einem behinderten Kind. Die Hamburger Schulentwicklung ist sein zentrales Thema von Anfang an, mit Positionspapieren 2012 und 2016 und einer intensiven Elternarbeit in den letzten 10 Jahren.

Wir Eltern sind ernüchtert: Die Rahmenbedingungen von 2012 (Drucksache 20/3641 zur Umsetzung des § 12 des Hamburger Schulgesetzes) zeichneten den Weg für eine inklusive Bildung in Hamburg vor, doch sie nimmt Kinder mit Behinderungen und besonderen Bedarfen nicht mit.

Zwar werden seit 2012 nachweislich mehr Kinder mit einem Förderbedarf im Regelsystem beschult. Echte Erfolge bei Kindern mit Behinderung stehen aber aus. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die Belastungen der Schulen. Für Kinder mit Behinderungen ist die Erfahrung, eine Belastung in der Regelschule zu sein, verheerend. Die Konsequenz ist „Exklusion“, die klassische Sonderschule für mehr als 64 % der Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und 94 % der Kinder mit intensivem Assistenzbedarf.

Wir Eltern vermissen eine konsequente Qualitätsdiskussion in der Stadt und an zu vielen Schulen:

  • Fachlich - wirksame Anreize zur multiprofessionellen und mehrdimensionalen Zusammenarbeit und Weiterbildung, 
  • Verbindlich und konzeptionell - zu Teilhabeassistenz, Barrierefreiheit und zu Schnittstellen der Pflege, Therapie und Anschlussangeboten,
  • Räumlich - das Hamburger Musterflächenprogramm berücksichtigt inklusive Bildungsbedarfe bisher nicht.

Nur eine gemeinsame Qualitätsentwicklung kann Eltern von dem Makel entlasten, ihre Kinder mit Behinderungen seien in der Schulentwicklung die „ressourcenfressenden Monster“. Wir fragen:

Wie stellt Hamburg eine Ausrichtung der Schulen an den Zielen der Inklusion sicher, z.B. im Rahmen der Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit der Schulaufsicht?

Wie gewährleistet Hamburg eine verlässliche und fachliche Förderung der Vielfalt von Kindern mit und ohne Behinderung und Zeit dafür, z.B. durch Programme an Regel- und Sonderschulen der Weiterbildung, des Coachings und der Bildung von Kooperationen?

Wie schließt Hamburg die Lücke der Teilhabe-Beratung für Eltern von Kindern und Jugendlichen, angefangen bei der 4 ½ jährigen Untersuchung, über die Einschulung bis hin zu den Übergängen in Schule und in das Berufsleben, und stellt so sicher, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung ihre Gleichstellung und Teilhabe an Bildung gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention wahrnehmen können?

Ausgrenzungen aus Schulen oder Lerngruppen von Kindern – wie wir Eltern sie nach wie vor persönlich, strukturell oder fachlich begründet erleben - sind inakzeptabel. Hamburg muss ein inklusives Bildungssystem aufstellen, von dem alle Kinder in der Stadt profitieren. Dass aktuell die dafür erforderlichen Ressourcen diskutiert werden, sollten alle Beteiligten und Entscheidungsträger für Schritte gegen Exklusionen in Richtung Qualität nutzen.

von Kerrin Stumpf (Geschäftsführerin des Elternvereins)